Donnerstag, 30. Oktober 2008

Lob der Korruption

Man mag über Korruption und Schlamperei, korrupte und schlampige Beamte und dergleichen schimpfen, wie man nur mag. Das meiste davon ist richtig und begrüßenswert.
Eines darf man aber dabei nicht vergessen: Wenn ein System uneffektiv oder brutal oder beides oder uneffektiv, weil brutal ist, dann sind Korruption und Schlamperei jene Erscheinungen, welche die Sache noch einigermaßen erträglich machen können.
So schlimm der italienische Faschismus war, er hält einen Vergleich mit dem deutschen Nazismus nicht aus. Dort hat eben nicht alles so perfekt funktioniert wie in Deutschland, dort ist das, was man sich im Hirn ausgedacht hat, nicht so konsequent ausgeführt worden wie in Deutschland.
Gottlob!
In einem korrupten Staat hast du immerhin noch die Chance, dich aus dem allerschlimmsten Schlamassel durch Bestechungsgelder herauszuwinden.
Falls du entsprechende Geldmittel hast, das ist natürlich der Haken.

WELTLAUF

Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.
 
Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben -
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur die etwas haben.
Heinrich Heine


Mittwoch, 29. Oktober 2008

Gotteln

Kennst du dieses wunderbare Gefühl, wenn du einen to - tal versifften und verstellten Raum betrittst und dich dann entschließt, hier mal wieder gründlich Ordnung zu machen. Das heißt, an diesem Punkt ist das Gefühl noch nicht so wunderbar, es ist eher die Vorfreude auf Kommendes. Aber dann gehst du, "machst gründlich" und schließlich schaut der Raum wieder proper und ordentlich aus.

Voraussetzung für dieses Glücksgefühl ist natürlich, daß es sich um eigene Räume handelt, möglichst um täglich bewohnte oder wenigstens benutzte Räume. Irgendwelche fremdversifften Wohnungen beim Auszug aufzuräumen, macht keinen Spaß. Das ist berufliche Fronarbeit.

Nein, ganz entschieden: Es müssen die eigenen Räume sein.

Und da beginnt für viele Leute das Problem. Nur die allerwenigsten Menschen, die ich kenne, besitzen diese eiserne Selbstdisziplin, ihr eigenes Zimmer, ihre eigene Wohnung über viele, viele Monate hinweg dermaßen verwahrlosen zu lassen, daß sich schließlich dieses - vom Kontrast Vorher-Nachher abhängige - Glücksgefühl einstellt.

Dieses "Ordnung machen im Chaos" nenne ich gerne gotteln, denn wenn du das gemacht hast, dann hast du einen Hauch jenes Gefühls, das Gott gehabt haben muß, als er aus dem Tohuwabohu vor der Schöpfung endlich die Welt samt Menschen und Tieren und Pflanzen erschaffen hatte.

Aber, wie gesagt, Disziplin braucht man dafür schon.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Diskussion

Aus dem Usenet

A: Du weißt offensichtlich nicht, wovon Du sprichst.

B: Was glaubst du, warum ich diskutiere? Wenn ich irgendwann einmal weiß, wovon ich spreche, dann höre ich auf zu sprechen, das verspreche ich dir.

Montag, 27. Oktober 2008

Schnuffi

Zur Erinnerung an den großen Robert Gernhardt alias Lützel Jeman, den bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Schnuffis Abenteuer und mehr von Robert Gernhardt findest du in dem fast 700 Seiten dicken (und doch nur 10,00 EUR teuren) Buch "Vom Schönen, Guten, Baren"
http://www.buch.de/buch/14257/784_vom_schoenen_guten_baren.html

Samarkand

Im fernen Samarkand lebte einst eine in allen Künsten ihres Berufes erfahrene Hure namens Valva.
Eines Tages ging ein stattlicher Mann an ihr vorbei und sie sprach ihn an, nach Hurenart.
"Nein", antwortete dieser auf ihr freundliches Angebot hin, "so wie ich es haben möchte, kannst du es mir doch nicht machen."
"Du bist", fragte Valva, die ihr Geschäft schon dahinschwinden sah, "schwul?"
"Aber woher denn. Und doch - so wie ich es will, kannst du es nicht."
Valva, die Welt- und Berufserfahrene, zählte dem Manne nun alle nur irgend möglichen und einige fast nicht mögliche Arten von Geschlechtsverkehr auf und bekam jedes Mal ein geduldiges "Nein, so will ich es nicht" zur Antwort. Schließlich aber reißt auch der geduldigsten Hure der Geduldsfaden.
"Du sagst mir jetzt sofort, wie du es haben willst. Ich wette mit dir um 100 samarkandische Dublonen, daß ich es dir genauso machen kann, wie du es willst."
Der Mann begann zu lächeln, 100 samarkandische Dublonen sind schließlich eine Menge Geld, und er nahm die Wette an.
Er sagte, er wolle es - und grinste immer noch dabei - kostenlos und das könne sie ihm als Berufsmäßige nicht machen.
Valva entgegnete lächelnd: "Ich hab jetzt Feierabend, komm mit."
Der Mann nahm die Sache sportlich, war zufrieden mit Valva und bezahlte dann seine Wettschuld - das mehr als 10fache des damals üblichen Hurenlohns.

Der Mann aber war der König und da er ein weiser König und zudem noch ledig war, nahm er Valva zur Frau. Wahre Weise - und nur diese - wissen die größere Weisheit eines anderen zu schätzen.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Instant-Theorien

Der Mensch muß sich die Welt erklären, anders erträgt er sie nicht, anders kann er nicht in ihr leben. Jede Theorie - buchstäblich und wortwörtlich: jede - ist besser als keine Theorie. Religionsstifter und Philosophen haben das erkannt und die Marktlücke mit Sinn gefüllt.

Ende der siebziger Jahre bin ich auf der Autobahn bei Regensburg nach Norden gefahren. Das Autoradio war eingeschaltet und ich hörte gerade Nachrichten auf einem UKW-Sender des Bayerischen Rundfunks. Dann kam der Pfaffensteiner Tunnel und so ganz allmählich wurde der Empfang immer schlechter, bis schließlich im Inneren der Tunnelröhre überhaupt nichts mehr zu hören war.

Als die Ausfahrt näher kam, setzte das Programm wieder ein. Musik erst und dann sprach einer über die Musik - auf Polnisch! Kein Sprechgesang, sondern eine ganz normale Ansage, wie vor jeder Sendung, nur eben diesmal auf Polnisch.

Innerhalb von Sekunden hatte ich mir eine Theorie zurechtgelegt; daß nämlich bei bestimmten Wetterlagen Überreichweiten bei UKW-Sendern auftreten könnten (das ist tatsächlich so), daß ferner topographische Besonderheiten an der Nordseite des Berges diese Überreichweiten verstärken würden, so jetzt eben ein polnischer Sender in hervorragender Qualität zu empfangen sei.

Damit war ich vorerst zufrieden und fing an, mich wieder zu entspannen, als der wohlbekannte Moderator Ado Schlier vom Bayerischen Rundfunk seine Stimme erhob und kundtat, es folge nun, in einer Übernahme vom polnischen Rundfunk, die Übertragung eines Musikfestivals aus Zoppot.

Ach so, so einfach.

Schade um meine schöne Theorie.

Dienstag, 21. Oktober 2008

War Eichmann ein Idiot?

Wie man hört war der sog. "Holocaust" nichts anderes eine großangelegte Fälschung, eine Propagandaaktion der Alliierten, das deutsche Volk zu diskreditieren. Im Internet, im Usenet wird viel darüber diskutiert, mit viel Liebe zum Detail. Jede Tür in Auschwitz wird untersucht, die Schwebeeigenschaften von Giftgasen ventiliert, die "angeblichen KZs" auf den Meter genau vermessen.

Wenn aber, wie man hört, der Holocaust nichts anderes war als eine großangelegte Fälschung, eine Propagandaaktion der Alliierten, das deutsche Volk zu diskreditieren, dann werden im Rückblick die seinerzeitigen KZ-Prozesse, der große Auschwitz-Prozeß in Frankfurt etwa oder der Eichmann-Prozeß in Jerusalem zu äußerst merkwürdigen Veranstaltungen.

Wieso, so ist zu fragen, haben die Angeklagten damals, als all das Morden so furchtbar lange nicht zurücklag, nichts davon bestritten. Bestritten haben sie natürlich eine ganze Menge, was die eigene Tatbeteiligung betrifft: Das hätten nicht sie gemacht, sondern andere oder es sei ein Befehl gewesen und sie hätten diesem Befehl aus Angst gehorcht. Keiner der damaligen Angeklagten aber hat den Holocaust als solchen abgestritten.

Wer immer behauptet, der Holocaust habe nicht stattgefunden, muß eine Erklärung für diesen merkwürdigen Umstand vorweisen. Hat er eine Erklärung, dann muß diese in sich stimmig sein und sie muß zu den Tatsachen passen. Hat er keine Erklärung, wird er sich als Dummschwätzer bezeichnen lassen müssen.

Spiegelschrift

Von Leonardo da Vinci ist bekannt, daß er seine Manuskripte gerne in Spiegelschrift verfaßt hat. Dies wurde (und wird) gern so gedeutet, daß er damit seine private Geheimschrift geschaffen hat, mit der er seine Aufzeichnungen vor allzu neugierigen Augen schützen wollte. Wenn es so war, dann hat der Trick nicht sonderlich gut funktioniert, denn man ist ihm ziemlich bald auf die Schliche gekommen.

Daß die Spiegelschrift eine Geheimschrift war, ist aus gutem Grund höchst zweifelhaft. Leonardo nämlich war - auch das ist weithin bekannt - Linkshänder.

Dazu ein einfaches Experiment, das allerdings nur für Rechtshänder funktioniert oder für solche Linkshänder, die auf Rechts-Schreiben gedrillt worden sind: Stell dich mit einem Schreibwerkzeug vor eine große Tafel oder einen Flip-Chart und schreibe dann, in der Mitte beginnend, mit beiden Händen gleichzeitig einfach drauf los. Ganz wichtig: Konzentrier dich dabei ausschließlich auf deine rechte Hand und denke nicht daran, was die andere Hand gerade macht. Wenn du anfängst, dir Gedanken machen, wie irgendein Wort in Spiegelschrift aussieht, ist es schon aus. Das kriegst du nie und nimmer hin.

Noch mal anfangen! Nur auf die rechte Hand konzentrieren und die linke einfach mitschwingen lassen. Das Wort, das sie rechts sauber und lesbar geschrieben hat, steht nun auch links da, wenn auch sehr, sehr krakelig, denn du bist Rechtshänder und mit der Linken nicht geübt. Du kannst das Wort nicht lesen, denn abgesehen von der Krakeligkeit stört auch der Umstand, daß es in Spiegelschrift dasteht.

Nach diesem Erfolgserlebnis brauchst du allenfalls eine halbe Stunde üben und du kannst auch nur mit der linken Hand in Spiegelschrift schreiben. Lesbar wird auch das nicht sein, auch für dich nicht, der du das eben hingeschrieben hast. Vor dem Spiegel aber oder wenn du das Papier umgedreht gegen das Licht hältst, wird es jedoch durchaus entschlüsselbar.

Wie meine Frau ist auch mein jüngster Sohn Linkshänder. Bei seinen ersten Schreibversuchen war anfangs alles in Spiegelschrift, auch Sachen, die er von einer "richtig" geschriebenen Vorlage abschrieb. Mit seinem noch nicht auf die Rechtshänderwelt dressierten Hirn hat er das nicht einmal gemerkt. Später hat er längere Zeit noch einzelne Buchstaben verkehrt herum geschrieben.

Die Sache ist klar: das Schreiben von Rechts nach Links in Spiegelschrift ist die eigentlich natürliche Schreibbewegung mit der linken Hand. Wäre die Welt eine Welt von Linkshändern, würden alle so schreiben.

Freitag, 17. Oktober 2008

Staatenlenker

Nun ist der Unfallbericht in Sachen Jörg Haider also veröffentlicht. Auf einer Straße, die auf 70 km/h beschränkt ist, 100 m nach dem Unfallort sogar schon auf 50 km/h, war er mit 142 km/h unterwegs gewesen. Und - man hatte es spontan vermutet nach den ersten Meldungen - er war alkoholisiert; 1,8 Promille immerhin.

Ich bin von Beruf Verkehrspsychologe, war 15 Jahre lang Gutachter bei der MPU. In diesem Job macht man die Erfahrung, daß Menschen, die mit einem groben Verkehrsverstoß auffallen, nahezu immer schon viele, viele Male denselben Verstoß begangen haben, ehe sie das erste Mal damit aufgefallen sind.

Und: 1,8 Promille sind ein Wert, bei dem der normale Alkoholkonsument, der zum Essen sein Bier trinkt, bereits in Lebensgefahr kommt. Er ist damit längst bewußtlos und sollte dringend ins Krankenhaus eingeliefert werden. Wer mit 1,8 Promille noch Auto fahren kann, 140 km/h und das nachts auf schwieriger Strecke, ist so stark alkoholgewöhnt, daß man ihn getrost als Trinker einstufen kann.

Von solchen Leuten wirst du dann regiert, solche Leute treffen weitreichende Entscheidungen. Und im Fall Haider: Solche Leute fordern bei jeder sich bietenden Gelegenheit strengere Gesetze, härtere Strafen.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Mephisto und Radetzkymarsch

Der Film "Mephisto" von István Szabó endet in einer ganz bemerkenswerten Szene: Der Filmheld Henrik Höfgen, ein gefeierter, berühmter und von allen möglichen Leuten hofier­ter Schauspieler, legt sich auf einem Bankett wegen irgend etwas mit Hermann Göring an. Göring nimmt den Gefeierten zum nächtlichen Berliner Olympiastadion mit, läßt ihn dort (nackt, wenn ich mich richtig erinnere) auf den mit einem Spotlicht beleuchteten Platz laufen und verhöhnt den im demütigenden Scheinwerferlicht stehenden Schauspieler. Drastisch und schmerzhaft zeigt er ihm seine Grenzen: Er mag ja der große und weltberühmte Künstler sein, aber er ist eben nur ein Schauspieler. Er ist der Liebling der Mächtigen, man schätzt seine Kunst, aber er gehört selbst nicht zu den Mächtigen. Er ist letztlich nur ihr - wenn auch hochbezahltes und beju­beltes - Spielzeug.
So ist es im Film und so ist es natürlich auch im richtigen Leben.
Wichtig sind die Leute, welche die politische und vor allem die ökonomische Macht in Händen halten. Künstler - auch gefeierte Künstler - sind letztlich nichts anderes als die Hofnarren und Kasper der wirklich Mächtigen.

Soweit wirst du mir wahrscheinlich zustimmen, ob du nun eher Politiker bist oder Künstler.
Und was fällt dir zum Namen "Radetzky" ein? Jede Wette, daß alle, ausnahmslos alle, von denen, denen überhaupt etwas dazu eingefallen ist, jetzt "Radetzky-Marsch" gesagt haben? Richtig, der so ungemein bekannte und wirklich zurecht so beliebte "Radetzky-Marsch". Und die meisten von Ihnen wissen wahrscheinlich auch, von wem der "Radetzky-Marsch" ist: Von Johann Strauß (Vater), dem Komponisten aus Wien.
Und warum heißt der Marsch "Radetzky-Marsch"? Da wird es schon stiller, aber ein im­mer noch beträchtlicher Prozentsatz wird jetzt sagen, daß der Marsch nach einem gewissen Radetzky benannt ist, dem er gewidmet ist. Und wer war dieser "gewisse Radetzky"? Ein österreichischer Politiker, werden einige sagen und die Informierteren bringen es noch auf "Feldmarschall Radetzky". Und dann beißt es aus. Dann müßtest du schon Historiker sein, oder gerade erst deine Matura in Österreich gemacht haben, um wenigstens ein bißchen was Substantielleres über diesen Feldmarschall Radetzky erzählen zu können.

Joseph Wenzel Graf Radetzky von Radetz, österr. Feldmarschall, * 2. 11. 1766 Schloß Trebnitz, Böhmen, † 5. 1. 1858 Mailand; 1809–1812 Generalstabschef, während der Befreiungskriege entscheidend beteiligt am Feldzugplan der Völker­schlacht bei Leipzig; 1831–1857 Oberbefehlshaber bzw. Generalgouverneur in Oberitalien, wo er alle Erhebungen gegen die habsburg. Herrschaft niederwarf; volkstüml. Heerführer (Radetzky-Marsch von J. Strauß [Vater]).
So steht es im Brockhaus-Lexikon, und es ist dir natürlich aufgefallen, daß auch der Brockhaus es sich nicht verkneifen kann, auf den Radetzky-Marsch, den ja jeder kennt, hinzuweisen.
Feldmarschall Radetzky war seinerzeit einer der bedeutendsten, mächtigsten und geachtet­sten Männer in Österreich-Ungarn. Johann Strauß, ein Zeitgenosse Radetzkys, war demge­genüber zwar auch bekannt, beliebt und irgendwie geachtet, mächtig aber war er nicht. Er war nur ein Künstler und Spaßmacher. Nichts weiter.
Ohne diesen Musikanten würde Seine Gnaden, den Feldmarschall heute keine Sau mehr kennen.
Was bleibt, ist das Lied des Sängers, nicht der politische Ruhm. Was bleibt, ist der Sänger, nicht der Feldherr.
Tröstlich.

Verfassung

Im Jahr 2003 bekam der ehemalige französische Präsident Valery Giscard d'Estaing routinemäßig den Karlspreis der Stadt Aachen verliehen.
Anläßlich dieser Preisverleihung war damals in deutschen Städten dieses Plakat sehr oft zu sehen:
Als ich dieses Plakat das erste Mal sah, war ich fassungslos. "Das gibt's doch nicht", dachte ich, "daß die Institution, die Giscard den Karlspreis verleiht, sich öffentlich über eben diesen Giscard lustig macht". Freilich war Giscard schon damals nicht mehr der Jüngste und seine Verfassung war, wie aus dem Bild ersichtlich war, nicht mehr die beste. Aber sich deshalb über den alten Mann lustig machen?
Es hat einige Sekunden gedauert, ehe mir klar wurde, daß mit "seine Verfassung" die Verfassung Europas gemeint war, nicht jene Giscards.

Korruption

Irgendwo in Deutschland - und das habe ich aus sicherer Quelle - gibt es eine Gemeinde, in der "Korruption" nicht mehr ist als ein Wort. Diese Unbestechlichkeit finden Sie dort in allen Zweigen der Kommunalverwaltung, vom Bürgermeister bis hinab zum letzten Gemeindearbeiter. Noch nicht mal im Baureferat, kenne man so etwas wie Korruption. Dir ist natürlich klar, daß ich den Namen dieser Gemeinde streng geheimhalten muß, um einer Verleumdungsklage aller anderen Gemeinden zu entgehen.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Gleichschritt

Wenn du dir das nebenstehende Photo anschaust, wird dir wahrscheinlich zuerst gar nicht viel auffallen. Wenn du ein Kenner bist, wirst du erkennen, daß es sich um sowjetische Offiziere handelt, wenn du genau hinschaust, merkst du, daß die Armbewegungen nicht sonderlich synchron sind. Ach so, und jetzt fällt dir auch auf, daß eine Gruppe von nur drei Soldaten im Gleichschritt vielleicht etwas merkwürdig ist. Daß die drei Leute in dieser komischen Hampelmanngangart einherschreiten, fällt dir dagegen nicht auf, es sind schließlich Soldaten. Man kennt das.

Nun aber schau dir mal das ganze Bild an. Sieben Herren im Gleichschritt, drei davon Zivilisten. Auch sie sind ziemlich uniform gekleidet, soweit man das auf dem schlechten Zeitungsbild erkennen kann, aber eben doch zivil gekleidet. Und die gleiche Bewegungsart, die bei den Soldaten so normal wirkt, wird bei den Zivilisten auf einmal saukomisch.

Und ob man das Bild noch kommentieren muß?

Dienstag, 7. Oktober 2008

Das Genie des Einbrechers

In der Kunst, Literatur und Musik ist viel Gewese um die verkannten Genies.

Was gerne vergessen wird, daß es auch unter Einbrechern Leute gibt, die ihr Geschäft als Kunst und diese mit wahrhaft genialer Meisterschaft betreiben. Das Tragische ist aber in diesem Falle, daß Einbrecher nur dann wirklich geniale Einbrecher sind, wenn sie unerkannt bleiben, ihr Genie also völlig verkannt wird.

Die wirklich großen Einbrecher sind jene, von denen man nie hört. Verkannte Genies per definitionem. Ein berühmter Einbrecher ist kein guter Einbrecher.

Nur, damit auch das mal ausgesprochen worden ist.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Wer ko, der muaß...

Der Franze hat gsagt, er lernt nix. Weil, sagt er, wer was kann, muß es auch machen.

Demuts-Champions

In christlichen Weltgegenden gilt Demut als eine der höchsten Tugenden. Jeder Bischof, der andere sich vor ihm hinknien heißt und sich von ihnen den Ring samt der Hand küssen läßt, jeder Kardinal, der eifersüchtig darauf besteht, daß man ihn mit Eminenz anredet, jeder Papst, der sich zujubeln läßt, preist die große Tugend der Demut.

Und wirklich: Leute, die nachweislich demütig und bescheiden gelebt haben, können mit einiger Wahrscheinlichkeit darauf hoffen, den Ruhm der Altäre zu ernten, also von den Leuten verehrt zu werden.

Ehrgeizige Leute gehen deshalb schon von früher Jugend daran, sich auf eine Karriere als Demuts-Champion vorzubereiten.

Erste Voraussetzung für Demut ist natürlich Ansehen. Nein, das ist jetzt kein Schreibfehler. Ich weiß schon, daß manche sagen, aus der Demut komme das Ansehen, aber genau besehen ist es umgekehrt.

So wie Gnade Macht voraussetzt, setzt Demut Ansehen voraus. Ein armer Teufel, den sowieso jeder für den letzten Idioten hält, von dem kein Hund ein Stück Brot annimmt, kann nicht demütig sein. So wenig wie einer, dem sowieso keiner gehorcht, der nichts bewegen kann, gnädig sein kann.

Der Konkurrenzdruck ist groß und wenn du da nicht einen brennenden Ehrgeiz mitbringst, dann hältst du das nicht aus, so ein Leben in völliger Demut.

Und der Druck auf dir wird ja immer stärker, je älter du wirst. Je mehr Leben du schon mit Heiligsein vertan hast, desto erpichter bist du natürlich darauf, eines toten Tages die Ernte in Form von Himmel und Heiligsprechung einzufahren. Desto weniger kannst du dann noch irgendwann sagen: "Jetzt mag ich nicht mehr, Herr Papst. Jetzt kannst mich am Arsch lecken, Herr Abt. Such dir einen anderen Deppen, Herr Prior."

Wenn du von Haus aus ein Depp ist, geht es natürlich leichter. Als Depp geht dir das leicht von der Zunge: "Ja, Herr Papst. Geht in Ordnung, Herr Abt. Klasse Idee, Herr Prior."

Aber stell dir mal vor, du bist ein blitzgescheiter Mensch und sollst zum größten Unfug Ja und Amen sagen...

Aber es hat ja auch keiner behauptet, Heiligsein wäre leicht.

Samstag, 4. Oktober 2008

Rangabzeichen

Wenn Menschen zusammenleben - und sie kennen keine dauerhafte Alternative zum Zusammenleben - dann gibt es innerhalb jeder menschlichen Gruppe eine Rangordnung. Seit sich das erste Mal ein Häuptling einen größeren Knochen ins Haar gesteckt hat, als die anderen Stammesmitglieder, gibt es auch Rangabzeichen, welche die Ordnung jedermann sichtbar machen.

Das ist nicht nur die Hose aus feinerem Tuch und die dickere Zigarre. Je höher einer in der sozialen Rangordnung steht, desto länger darf gemeinhin auch sein Name sein. Ganz kleine Leute heißen Karli, kleine Leute müssen sich mit Karl Müller zufrieden geben, während etwas größere sich bereits als Herr Dr. Karl Müller anreden lassen dürfen. Wirklich große Leute heißen dann Karl Ludwig Maria Graf von Brockenstein und zu Lichtenfels.

Dieser Trend kehrt sich interessanterweise aber bei den ganz Großen dann wieder um. Da heißt der Obermotz dann nur noch Karl. Es gab im ganzen Frankenreich nur einen Karl von echtem Rang und das war der Kaiser. Weiß jeder, wer gemeint ist, mit Karl; nur Karl.

Und in Brasilien gabe es einen kleinen Jungen aus kleinen Verhältnissen, der hieß Edson Arentes do Nascimento. Und als er berühmt wurde und also groß, da nannte sich dieser Edson Arentes do Nascimento nur noch "Pelè".

In der Hierarchie der Wissenschaft findet sich eine solche an- und absteigende Leiter der prächtigen Bezeichnungen ebenfalls. Hier führt der Weg vom Dipl.-Dings über den Dr. bums bis zum Professor Dr. Müller.

Die wirklichen Koryphäen ihres Fachs, jene, die jeder auch außerhalb der engen Fachgrenzen kennt, heißen dann nur noch Konrad Lorenz oder noch einfacher Einstein.

Es wäre eine arge Minderung des Rufes und Ranges von Prof. Dr. Albert Einstein, würde man ihn in einer Abhandlung über die Geschichte der Physik als Prof. Dr. Albert Einstein bezeichnen. Es hieße, es würde ihn so kein Schwein erkennen, nur im vollen Namenswichs wäre er als Großmeister erkennbar. "Prof. Dr. Albert Einstein" ist eine respektlose Anrede.

Und jetzt schauen wir uns mal diese fünf Herren an, die anscheinend nach einer Ordensverleihung für den Photographen posieren. Ein Generalmajor, ein Generalleutnant und ein weiter Generalirgendwas. Alle drei in prächtiger, uniformigster Uniform, mit Stiefeln, Dünnschiss-Hosen und ganz, ganz viel Lametta, Affenschaukel und Orden über Orden auf ihren Jäckchen. Stramm und straff und stolz auf ihren Rang stehen sie da (die Nr. 5 platzt fast im Angesicht der eigenen Bedeutung).

Ihr Chef Mielke trägt zwar auch Uniform, aber eine von der Art, die sich eigentlich weigert, wie eine solche auszusehen. Sie wirkt eher wie ein biederer zweireihiger Zivilanzug, an den ein Schneider schnell mal ein paar Uniformbestandteile drangenäht hat. Dem Kundigen ist klar, daß auch Mielke Orden trägt und zwar so viele, daß er sie nicht mehr im Original, sondern nur noch in Ordenskurzschrift anhängen hat. Er steht da, wie halt ältere, korpulentere Herren dastehen, wenn sie sich fotografieren lassen müssen. Retuschiere die paar Uniformbestandteile aus dem Anzug und Mielke sieht aus wie ein AOK-Chef irgendwo auf dem flachen Land.

Ihrer alleroberster Ober-Chef Honecker nun verzichtet auf jegliche Rangabzeichen, er trägt wirklich nichts als einen schlichten Anzug. Und er steht da, als wäre ihm das Photographiertwerden ungemein peinlich. Hätte er nicht einen Anflug von Lächeln (wirklich nur einen Anflug) auf dem Gesicht, könnte es auch ein Polizeiphoto anläßlich einer Zeugengegenüberstellung sein.

Rangabzeichen sind was für die kleinen Großen.


Donnerstag, 2. Oktober 2008

Wittgenstein

So wie zuzeiten der Appetit beim Essen kommt, so kommt die Erkenntnis beim Schwatzen. "Worüber man nicht sprechen kann, darüber muß man reden."
(nicht von Wittgenstein)

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Der Neger

Aus dem Usenet

Im Usenet, in der Gruppe de.etc.sprache.deutsch, entwickelte sich im März 2007 folgender Dialog über das Wort "Kannitverstan":

Y. S.: Obwohl ich also weiss, dass es auf afrikaans "kan nie verstaan nie" heisst, habe ich das, von J. P. Hebel bekannte "Kannitverstaan" immer nur so geschrieben gesehen.

W. H.: Der Afrikaner versteht sowieso nie nichts, vor allem der Neger und ganz besonders, wenn er weiß ist.

O. C.: Oder gar blond.

W. H.: Wenn der Neger blond ist, ist er Schwede.

O. C.: Japan ist voll von Blondinen, es fällt nur nicht so auf.

W. H.: Weil die alle schwarzhaarig sind?

Antiautoritäre Erziehung

Ich habe meine Kinder streng antiautoritär erzogen - und leicht war das nicht.
Ständig kamen sie damit daher, daß sie gesagt haben "Aber klar, lieber Herr Vater, natürlich haben der liebe Herr Vater recht und klar, wird gemacht, was der liebe Herr Vater beschlossen hat." Und ich sagte, daß das hier ein antiautoritärer Haushalt sei und daß ich mir diesen devoten Ton nicht gefallen ließe und solange sie ihre Füße unter meinen Tisch steckten, hätten sie gefälligst aufsässig zu sein. Und dann bin ich mit eisernem Besen dazwischen gefahren und heute sind sie wirklich mündige Menschen. Ohne konsequente, eisenharte Strenge geht es halt nicht.