Dienstag, 30. Dezember 2008

Uhrenvergleich

Der Franze hat gsagt, dem Alise seine Uhr ist zwar größer und goldener als seine, aber seine, sagt er, geht schneller.

Zitate

Wer Zitate nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte Zitate sich verschafft und in Umlauf bringt, wird mit Unsterblichkeit nicht unter drei Jahren bestraft.

aus der Halskrausordnung von Karl III.

Sauber

Kaum hast du deine Wohnung gekehrt, hast allen Staub auf deiner Schaufel drauf, da genügt ein winziges Hüsterchen, ach was: ein unbedachter Atemzug und der Staub ist wieder weg. Es scheint, als würden wirklich, wie es in der Werbung heißt, nur die allerzartesten Flöckchen zu Staub verarbeitet.

Sonntag, 28. Dezember 2008

Würde

Vor langer, langer Zeit gab es mal eine Zeit, da ich regelmäßig "DIE ZEIT" las. Die Reisebeilage habe ich selbst damals nur rasch überblättert, bei obigem Bild aber bin ich schon beim Blättern hängengeblieben.

Dem zuständigen Redakteur schien das Bild nicht mehr bedeutet zu haben, als eine kleine Kuriosität am Rande, das legt die eher harm­los spöt­teln­de Unterzeile nahe:

"Je pittoresker, desto besser: Touristen in Tibet".

Der Mann ist vielleicht ein tibetischer Mönch, wahrscheinlich aber ganz einfach ein al­ter Tibeter in der landesüblichen Tracht. Er muß sich die kleine Steigung des Weges recht mühsam hoch kämpfen, tut dies aber auf eine ruhige Weise, die ihn zwar lang­sam aber eben doch vorankommen läßt. In der linken Hand hält er eine Ge­betsmühle, gewohnheitsmäßig, wie zu vermuten ist. Jedenfalls macht er das, was immer er macht, mit großer Ruhe und bewundernswerter Würde.

Und dann die beiden fotografierenden, filmenden Touristen, die den alten Mann gestellt haben wie ein zu jagendes Wild. Die sich vor ihn hin­stellen und ihm die Kameras vor Gesicht halten, als wäre er nichts an­deres als eine Hausfassade oder ein interessantes Detail an einem Brun­nen. Sie gehen auf eine schamlose Art und Weise an den Al­ten heran, die sie sich zuhause - wetten! - nie und nimmer trauen wür­den.

Ich bin sonst ein wenig allergisch gegen das Wort "Würde", es ist gar zu abgelutscht und oft mißbraucht. Hier erscheint es mir angebracht. Geschändete Würde.

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Silberhochzeit


Der Franze hat gsagt, wenn er Silberne Hochzeit feiert, dann geht er zum Unterwirt und sauft sich einen Rausch an. Falls er, sagt er, bis dahin eine Frau findet.

Dienstag, 23. Dezember 2008

Je Textverarbeitung desto Wissenschaft

Von Karl Marx stammt der berühmte Satz "Das Sein bestimmt das Bewußtsein". Gemeint ist damit, daß Ideen nicht einfach so entstehen, neue Ideen nicht einfach so aus alten Ideen entstehen. Ideen lassen sich vielmehr aus den materiellen Gegebenheiten ableiten, in denen Menschen leben. Menschen schnitzen sich jeweils die Ideologie, die zu ihren jeweiligen materiellen Lebensbedingungen paßt.

Das gilt für die großen Ideen und für die kleinen.

Wie sehr das menschliche Denken und Handeln von ganz elementaren Bedürfnissen und Zwängen gesteuert wird, dafür gibt die Geschichte der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU)ein eindrucksvolles Beispiel.

In den Siebzigern und bis in die Achtziger Jahre hinein war die Medizinisch-Psychologische Untersuchung zum Thema Alkohol ein Papiertiger. Eine Positivquote von 80 bis 90 Prozent ließ die MPU in den Köpfen der Menschen fast zu einer bloßen Formalität werden. Wenn der Alkoholmißbrauch bislang noch keine schwerwiegenden medizinischen Schäden hinterlassen hatte, wenn der Kandidat sich einigermaßen reuig und änderungsbereit gab, war der MPU-Gutachter optimistisch und schrieb ein positives Gutachten.

Diese Zeiten sind vorbei. Seit Mitte der Achtziger Jahre ist die Positivquote sehr schnell gesunken und liegt heute bei ca. 20 bis allenfalls 30 Prozent.

Womit ist diese dramatische Veränderung zu erklären? Haben Medizin, Biochemie oder klinische Psychologie auf dem Gebiet der Alkoholforschung im Laufe von zehn, fünfzehn Jahren so gewaltige Fortschritte gemacht, daß dadurch dieser enorme Wandel in den Beurteilungskriterien plausibel würde?

Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, was auch nicht weiter verwunderlich ist. Schließlich ist Alkohol in unserem Kulturkreis die verbreitetste Rauschdroge, Alkoholiker die besterforschten Betäubungsmittelkonsumenten. Man kennt die biochemischen, medizinischen und psychologischen Auswirkungen des Alkohols schon zu lange, als daß wirklich große Überraschungen noch zu erwarten wären.

Auch vor zwanzig Jahren schon wußte der Allgemeine und Klinische Psychologe sehr gut um die Effekte der Alkoholgewöhnung, um die Hartnäckigkeit von Gewohnheitsbildung und schließlich Sucht Bescheid. Nur der Verkehrspsychologe tat, als hätte er nie davon gehört und verbreitete in seinen Gutachten einen haarsträubenden Optimismus.

Die Erklärung für diese äußerst merkwürdige Gutgläubigkeit liegt in der Schreibmaschine.

In den Siebziger Jahren, als Computer noch Ungetüme von den Ausmaßen eines Schrankes waren und in der Preisklasse eines Mittelklassewagens lagen, war die elektronische Textverarbeitung für ein normales Büro absolut unerschwinglich. Eine IBM-Kugelkopfmaschine war noch Anfang der Achtziger Jahre das höchste an Schreibkomfort.

In der guten alten Zeit der MPU bestand ein Positivgutachten aus einem Formblatt, auf welchem der Gutachter lediglich einige Informationen anzukreuzen hatte, ergänzt durch ein, zwei frei formulierte Sätze. Mehr Platz war auf dem Formblatt für eine individuelle Beurteilung nicht. Auch mit einer Schreibmaschine war ein positives Gutachten innerhalb weniger Minuten fertig geschrieben.

Das Negativgutachten war im Gegensatz dazu eine wirklich individuell abgefaßte mehrseitige maschinegeschriebene Beurteilung. Zwar standen ganze Absätze dieser Beurteilung fertig formuliert in einem Aktenordner zur Auswahl vor, aber auch diese immer wiederkehrenden Floskeln und Standardformulierungen mußten von einer Schreibkraft jeweils neu abgetippt werden.

Eine Heidenarbeit, die insgesamt Stunden in Anspruch nahm.

Seit Mitte der Achtziger Jahre wurde die elektronische Textverarbeitung mittels PC in den Medizinisch-Psychologischen Untersuchungsstellen des TÜV eingeführt. Für die vorgeschriebenen Formeln, die Floskeln und die immer wiederkehrenden Argumentationslinien gab es nun Textblöcke, die aus dem Computer mit wenigen Kennbuchstaben abzurufen waren. Negativgutachten waren jetzt (fast) genauso schnell und ökonomisch zu schreiben wie Positivgutachten. Und die Beurteilungskriterien verschärften sich.

Eine Negativquote, wie sie jetzt üblich ist, wäre mit der Technologie der Kugelkopfschreibmaschine nicht zu schaffen gewesen. 70/80 Prozent negative Gutachten oder Gutachten mit Kurszuweisung - die Arbeit einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchungsstelle wäre zusammengebrochen.

Kein praktisch tätiger Verkehrspsychologe hätte sich vor 15 oder 20 Jahren die heute gängigen Erkenntnisse über Alkoholmißbrauch und Rückfallgefahr leisten können, denn diese Erkenntnisse wären nicht in praktische Arbeit umzusetzen gewesen. Man konnte sich damals die heutigen Erkenntnisse nicht leisten - also leistete man sie sich ganz einfach nicht.

Von der Struktur her ist das derselbe Mechanismus, den wir beim Trinker finden, der sein Alkoholproblem vor sich selbst verharmlost. Würde ich mir mein Alkoholproblem schonungslos klarmachen, müßte ich etwas dagegen unternehmen. Für Gegenmaßnahmen bin ich momentan aber noch zu schwach, also gibt es kein Alkoholproblem bei mir.

Samstag, 20. Dezember 2008

Froh zu sein bedarf es wenig...


Ich war nicht wenig schockiert, als ich damals, am 30. Juli 1987, in der "taz" dieses Bild entdeckte. Die "taz" verwendete es dazu, einen Artikel über deutsche Filmkritiker und ihre liebste Themen zu illustrieren. Das Bild bietet sich ja auch als ironischer Kommentar zum Thema an: Ein Haufen dumpfer, stumpfer Männer in einem dumpfen, stumpfen Kino in Erwartung eines dumpfen, stumpfen Films.
Woher aber dann mein schockierte Reaktion?
Ich hatte ein Bild, das ich mehr als zwanzig Jahre nicht mehr gesehen hatte, sofort wiedererkannt. Als Schüler hatte ich, um mein Englisch zu üben, die Zeitschrift "Life" abonniert, das Bild illustrierte einen Artikel über Rassismus im Süden der USA. Der Mann mit übereinandergeschlagenen Beinen, der sich auf dem Photo gerade aus der Tüte "Red Man" bedient, wurde im Gerichtssaal photographiert, angeklagt des Mordes an drei jungen Leuten, 1964.
"Let's have some Red Man", hatte er gefeixt und so stand es auch unter dem Bild damals in "Life", das während der Anklageverlesung aufgenommen worden war. Hinter ihm sitzen seine Sympathisanten (oder Mittäter) und alle sind sich ganz unheimlich sicher, daß ihnen nichts passieren wird, daß sie auf jeden Fall freigesprochen werden. So, wie es dann auch gekommen ist.
Der Mann war übrigens Sheriff.
In Vorbereitung dieses Beitrags habe ich ein wenig im Internet recherchiert Ein amerikanischer Maler namens Philipp Morsberger, so erfuhr ich, hat nach diesem Pressephoto ein Ölgemälde erstellt, mit dem Titel "Hey, Let's Have Some Red Man! (The Arraignment".
Dieses Photo ist einer der obszönsten Bilder, die ich je gesehen habe.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Lachen

Der Franze hat gsagt, der Xaver wenn das noch hätt erleben können, sagt er, der hätt sich totgelacht.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Parvenüs

Alte Adelsgeschlechter, ob es sich nun um Geld- oder Adel-Adel handelt, sehen gerne auf die sog. Parvenüs, die Emporkömmlinge herab. Beim Geldadel, also dem bürgerlichen Adel ist das etwas verwunderlich, lautet doch die bürgerliche Weisheit seit alters, daß dem Tüchtigen die Welt gehöre. Eigentlich müßte man also heute demjenigen, der von unten nach oben gestiegen ist, mehr Respekt zollen als demjenigen, der sich für seinen Reichtum nur die Mühe machen mußte, geboren zu werden.
Wie auch immer: Alte Adelsgeschlechter sind stolz auf ihre Vorfahren, sie verehren sie und sie verehren natürlich vor allem den ruhmreichen Gründer des ruhmreichen Geschlechtes derer von Weißnichtwer. Zwei Minuten mäßig angestrengten Nachdenkens genügen für die Erkenntnis, daß dieser Gründer des Adelsgeschlechtes, wie weit immer man ihn in der Geschichte zurückverfolgen kann, ein Parvenü gewesen sein muß. Er nämlich kann ja noch nicht aus einem alten Adelsgeschlecht gestammt haben, ansonsten er ja nicht der Gründer eines solchen gewesen sein könnte. Der Urururopa Vorfahr muß also vor der Gründung des Geschlechtes irgendein kleiner Mann gewesen sein, der sich dann hochgearbeitet, bzw. hochgemetzelt hat.
Diese simple Logik ist vielleicht der Grund, warum sich viele ganz alte Adelsgeschlechter gerne mythische Vorfahren erfunden haben, die oft bis zu den Göttern selbst zurückreichen. Ersatzweise (besser als nix) tun's dann auch die Trojaner. Obwohl man sich auch bei denen natürlich fragen muß, was denn der trojanische Urahn war, bevor er zum Urahn wurde.

Paulaner

In den frühen achtziger Jahren sah ich bei einem Besuch in München einmal ein Plakat einer Münchner Brauerei. Ich glaube, es war die Paulaner Brauerei und es war eine Reklame für Paulaner Pils. Ein Säugling lag in seiner Wiege, proper, glücklich und zufrieden. Um die Wiege herum standen die Eltern und Großeltern, blickten verzückt und glücklich in die Wiege mit dem kleinen Wonneproppen. Alles schön, alles gediegen, alles wohlhabend. Eine Idylle. Auf dem Plakat standen die Worte:

"Irgendwann wird auch er sein erstes Paulaner Pils trinken."

Eine knallharte Drohung. Das Plakat will uns sagen: „Du, kleiner Säugling, magst jetzt noch ahnungslos und zufrieden in deiner Wiege liegen und von Muttermilch träumen. Täusche dich nicht - wir kriegen auch dich, so wie wir bisher noch fast jeden gekriegt haben!“

Du kommst dem Bier nicht aus!

Sportler

Ist es dir schon mal aufgefallen? Wenn du (und wann immer du) einen leidenschaftlichen Sportler triffst, ist er müde, abgekämpft, fertig. Daß er um irgendein Körperteil irgendwelche Bandagen trägt, also irgendwie verletzt ist, fällt dir als Bekannter von Sportlern schon gar nicht mehr auf. Frägst du ihn, so wird er dir sagen, er habe gestern oder letzte Woche oder eben grade sehr heftig trainiert und dieses Training stecke ihm noch in den Knochen.

Du hingegen, leidenschaftlicher Nicht-Sportler und Faulpelz in allen Dingen körperlicher Ertüchtigung, bist fit, ausgeruht und leistungsfähig.

Könnte es sein, daß Sportler nicht, wie sie dies selber gerne glauben, dank ihres Trainings fit und leistungsfähig sind, sondern, daß sie ganz unglaublich fit und leistungsfähig wären, wenn sie nicht ständig so viel und heftig Sport trieben.

Schärfer formuliert: Es sind womöglich nicht jene Leute leistungsfähig, die Sport treiben, sondern Sport treiben diejenigen Leute, die von Haus aus leistungsfähig sind. Und sie wären noch viel, viel leistungsfähiger, wenn sie nicht ständig so viel Sport trieben.

Nur mal so als Denkanstoß.

Montag, 8. Dezember 2008

Jeder ist seines Glückes Schmied

Leute, die für wohltätige Zwecke Spenden sammeln, sammeln gerne für Kranke, mittellose Menschen oder einfach Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.

Andererseits gibt es das Sprichwort: "Jeder ist seines Glückes Schmied."

Wenn das so ist, wie kann dann einer unverschuldet in Not geraten?  Und: Und wer sammelt eigentlich für jene, die nie in Not geraten sind, die immer schon in Not waren?

Samstag, 6. Dezember 2008

Der Gauthammer Sieghard

Der Gauthammer Sieghart von Butterau bei Miesbach hatte einst in Andechs ein delikates Geschäft von so privater Natur zu besorgen, daß es hier verschwiegen werden muß. Um den Weg abzukürzen, lieh er sich ein Boot und ruderte quer über den Starnberger See.
Was niemand erwartet hatte geschah: Der Gauthammer Sieghard wurde mitten auf dem Starnberger See von sarazenischen Piraten entführt. Die Geschichte ist vor langer, langer Zeit passiert, inzwischen ist der Seeweg von Mekka nach Starnberg längst wieder in Vergessenheit geraten, damals aber...
Der Gauthammer Sieghard jedenfalls ist von den sarazenischen Piraten auf dem Sklavenmarkt von Kairo verkauft worden. Er konnte entkommen und gelangte nach einigen Wirren und vielen Abenteuern schließlich bis nach Indien, wo er es zu Ansehen und Reichtum brachte und zum Dank dafür den damals noch wahnsinnig hektischen Indern die bayerische Bierruhe beibrachte. Weil in Indien aber kein gescheiter Hopfen wachsen tut, er also kein richtiges Bier nicht brauen konnte, hat der Gauthammer Sieghard notgedrungen die Meditation erfunden und damit war der Inder erstmal sediert.

Freitag, 5. Dezember 2008

Muttertag

Es wird nicht jeder wissen, aber in Italien gibt es keine Bordelle. In der faschistischen Ära waren sie verboten worden, 1948 wurden sie wieder zugelassen und dann 1958 erneut verboten. Das ist bis heute so. Die Straßenprostitution auf Landstraßen ist zwar erlaubt, allerdings sind sexuelle Handlungen auf öffentlichem Grund und Boden (auch im Auto) verboten. Hm. Wer darin einen Widerspruch findet, darf ihn behalten.
Wie auch immer: An der Straße, die von Agropoli am Meer entlang nach Salerno führt, siehst du an einem bestimmten Straßenabschnitt alle paar hundert Meter zwei, drei Prostituierte, meistens Schwarze. Eines Tages im Mai sind wir abends von Salerno aus nachhause gefahren und ich merke, daß irgendwas nicht stimmt. Es hat eine Weile gedauert, bis es mir aufgefallen ist: keine Nutten, aber überhaupt keine, nix. Ich machte meine Frau drauf aufmerksam und wir rätselten eine Weile, ohne auf einen plausiblen Grund für die merkwürdige Erscheinung zu kommen. Am Wetter konnte es nicht liegen, das war ideal für das Geschäft.
Schließlich meinte mein damals 14jähriger Sohn von hinten ganz trocken: "Heut ist Muttertag."
Batsch, das wars. Die Männer hatten keinen Ausgang und die Frolleins hatten frei.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Warum sprechen die Franzosen französisch?

"Blöde Frage", wirst du wahrscheinlich sagen. Was, bitte, sollen Franzosen denn sonst sprechen, wenn nicht französisch? Klar. Aber warum sprechen die Franzosen eine romanische Sprache?

Dort, wo heute Frankreich liegt, lebten zu Asterix' Zeiten die Gallier, Kelten also, deren Sprache irgendwie wie das heutige Gälisch geklungen haben muß. Dann kamen die Römer und brachten ihr Latein als Amtssprache mit. Die Römer aber kamen als Besatzungsmacht, sie waren von Anfang an und blieben eine dünne Oberschicht über einer weiterhin keltischen Bevölkerung. Nach dem Zusammenbruch der römischen Infrastrukturen in Gallien kamen irgendwann 500, 600 n. Chr. die Franken nach Gallien und machten es zu ihrem Land.

Die Franken waren ein germanisches Volk, sie sprachen eine germanische Sprache, anfangs jedenfalls. Und: Anders als die Römer kamen sie mit Mann und Maus, mit Kind und Kegel. Ein ganzes Volk besiedelte das Land. Um 1000 n. Chr. kamen schließlich die Normannen, ebenfalls ein germanisches Volk - und trotzdem sprechen heute die Franzosen eine romanische Sprache. Warum?

Auf die eine, naheliegende Antwort, bin ich auch schon gekommen: Weil das Lateinische, als es nach Gallien kam, die Sprache eines kulturell bereits hochentwickelten Volkes war, dem Keltischen also überlegen war. Aber: Auch in Bayern (südlich der Donau) siedelten zu Caesars Zeiten die Kelten. Auch Bayern wurde von Rom erobert, blieb jahrhundertelang römisch. In Bayern siedelten sich nach den Römern die Bajuwaren an, ebenfalls ein germanisches (??) Volk. Wieso also spricht man in Frankreich romanisch und in Bayern germanisch? (Den Einwand, es sei das Bayerische nur unter Vorbehalten als germanischer Dialekt anzusehen, möchte ich nicht gehört haben.)

Lieblingsepoche

In Prominenten-Interviews, in Illustrierten-Fragebögen oder bei sonstigen Umfragen zum Jahresende taucht eine beliebte Frage immer wieder auf:
"In welcher Zeit hätten Sie am liebsten gelebt?"
Was die Antworten betrifft, so sind es die Altphilologen, die sich in die Griechen- oder Römerzeit zurückträumen, Toga um den Leib und Lorbeer auf dem Haupt. Andere sehen sich als Ritter in blanker Rüstung auf ihrem Pferd nach siegreicher Schlacht die Huldigungen des Volkes entgegennehmen. Wiederum andere trauern dem galanten Rokoko mit seinen phantastischen Bauten, seiner berauschenden Musik in gepflegten Gärten nach.
Mir fällt auf so eine Frage - nicht, daß sie mir schon mal ei­ner gestellt hätte - nach einigem Nachdenken nur die eine Antwort ein:
"Die Zeit, in der ich lebe."
Nun darfst du viel von mir glauben, wenn du willst, nur ja nicht dies: Daß ich nämlich vernarrt wäre in meine Zeit oder gar in die­ses, mein Land.
Es ist bloß so, daß ich diese Zeit, in der ich wirklich lebe, kenne, ich habe mich mit ihren Vor- und Nachteilen arrangiert, komme damit so einigermaßen klar. Eine Reise in die Vergangenheit (ohne Wie­derkehr, nicht einfach nur mal so für zwei oder drei Wochen) würde mir viel - zuviel - an Anpassungsleistung abverlangen .
Wenn aber nun die berühmte Fee käme, mir verspräche, sie würde mir im relativ friedlichen Rom der frühen Kaiserzeit eine neue Existenz von Anfang an (als Säugling) verschaffen, so daß ich mich von klein auf anpassen und gewöhnen könnte - würde ich anbeißen?
Ich glaube nicht.
Freilich könnte ich mir eine Existenz in einem geräumigen römischen Stadthaus, sommers in meinem Landhaus in Campania, sehr gut und aus­gesprochen angenehm vorstellen. Nur: wer lebte auf diese Weise und wer zahlte die Spesen für diese Art zu leben?
Die Chancen, daß ich als Sproß der römischen Oberschicht oder zumindest der einigermaßen gediegenen Bürgerschaft auf die Welt käme, wären verdammt gering. Viel wahrscheinlicher wäre es doch, daß ich als Sohn einer Sklavin oder sonst eines armen Wurms auf die Welt käme. Und unter diesen Voraussetzungen scheiße ich auf das Alte Rom.
Abgesehen davon bin ich als Zweijähriger an Blinddarmentzündung er­krankt, eine Sache, die 1952 kein größeres medizinisches Problem mehr war, die aber noch 200 Jahre zuvor mit hoher Wahrscheinlichkeit mein Todesurteil gewesen wäre. Und wenn ich überlebt hätte, dann hätte sich herausgestellt, daß ich kurzsichtig, und zwar schwer kurzsich­tig bin. Vor zweihundert Jahre hätte es zwar schon eine leidlich brauchbare Brille dafür gegeben, die Krankenkasse, diese Brille auch für einen Normalmenschen bezahlbar zu machen, gab es damals aller­dings noch nicht.
(Der Artikel ist schon etwas älter, inzwischen hat uns der Fortschritt eingeholt, dergestalt, daß die Krankenkasse nix mehr für eine Brille zahlt. Es ist wieder zum Privatvergnügen geworden, halbblind tapernd durch die Gegend zu laufen.)
Wahrscheinlich wäre ich in den allermeisten der möglichen Vergangen­heit niemals erwachsen geworden. Wenn mich nicht schon die Blind­darmentzündung dahingerafft hätte, dann wäre ich eben irgendwann in einen Brunnen gestolpert oder in eine Schlucht gefallen oder sonstwie durch meine Sehbehinderung zu Tode gekommen.
Nö, ich bliebe hier, auch wenn die gute Fee mit ihrem Vorschlag käme.
Außerdem kannten die Römer weder Kaffee noch Tabak.

Charme

Warum sind Frauen eigentlich immer "charmant", wenn man ihnen etwas Positives nachsagen will (aber auf Deibel komm raus nichts Substantielles findet)?

Abfall und Wandel

Wenn einer eine Sache hatte, mit der er nichts rechtes mehr anzufangen wußte und deshalb einen anderen fragte, was er damit machen solle, so hörte man im Niederbayern meiner Kindheit häufig diesen Spruch: "Schee butzn und wegschmeißn!" (Schön putzen und dann wegwerfen.)

Dieses "Schee butzn und wegschmeißn!" war damals der Inbegriff von Unfug, Nonsens, Wahnsinn. Es ist ja auch, recht besehen, ein absolutes Unding, ein Ding, das man von vorneherein wegzuwerfen beabsichtigt, noch sorgfältig zu säubern, um es dann gesäubert, statt dreckig zum Abfall zu geben.

Dieser Wahnsinn meiner Kindheit ist im Laufe der Jahre zum Alltag eines entschiedenen Mülltrenners geworden.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Immer schön sachlich bleiben

Im Verlaufe hitziger Diskussionen wird oft und gerne gefordert, man solle doch sachlich bleiben. Das hört sich so vernünftig an wie es in Wahrheit Unfug ist. Über Themen, die sich sachlich diskutieren lassen (zum Beispiel die richtige Art, einen Reifen zu wechseln), braucht man nicht zu diskutieren, es reicht die Fachsimpelei.