Donnerstag, 29. Oktober 2009

Sicherheit




Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum.
Doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.
FRIEDRICH SCHILLER
("Wallensteins Tod" IV/2)

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Buhletten

Buhletten -> spendierte Fleischpflanzerl, mit denen Erwin Normalbalzer das Fräulein Sieglinde dem Beischlafe geneigter stimmen möchte. Graf Erwin von Dingenskirch verwendet dazu natürlich Entrecotes de Schlömpong Fröngfröng.

Montag, 19. Oktober 2009

Ein Hochstapler

In dem Film "Hellzapoppin' - In der Hölle ist der Teufel los" ([1]) gibt es eine Szene, in der ein Hochstapler vorkommt, der sich als geflüchteter russischer Großfürst ausgibt und sich so - von High-Society-Party zu High-Society-Party eilend - die nötigen Kalorien zum Überleben verdient. Ein Taxifahrer (oder Kammerdiener?) erkennt ihn von früher und spricht ihn mit "Durchlaucht" an. Der als echter Großfürst enttarnte Hochstapler ist erschrocken und bittet seinen früheren Dienstboten eindringlich, er möge ihn nicht verraten. Ein Hochstapler, der sich als russischer Großfürst ausgibt, sei auf jeder amerikanischen Party ein gerngesehener Gast, über den man sich amüsiere, ein echter, verarmter Großfürst dagegen... Wenn das herauskomme, sei er erledigt.

Der Herr auf dem Bild sieht mit seinen schwer herabhängenden Augenlidern und dem bleistiftdünnen Schnurrbärtchen aus wie der klassische Operetten-Hochstapler, der sich als reicher ungarischer Adeliger ausgibt, dabei allerdings seine Rolle ein wenig übertreibt.

Hochstapler sehen normalerweise nicht so penetrant nach Hochstaplern aus, sonst könnten sie ihren Beruf nicht lange ausüben.

Und richtig, der Herr auf dem Bild ist gar kein Hochstapler, sondern Josef von Ferenczy, Begründer der gleichnamigen Medienagentur, Verleger und Filmproduzent, ein steinreicher Adeliger ungarischer Abstammung.

Nun mag ich dergleichen Leute normalerweise nicht so arg gerne. Josef von Ferenczy aber hat mein Herz erobert durch einen Spruch, den er - angeblich - gerne gesagt haben soll, wenn deutsche Behörden (vor allem Steuerbehörden) nicht so reagiert haben, wie er sich das vorgestellt hatte: "Bin ich òrmes Ungòrisches Ämigrant dässwägn durch Donau gèschwommen?"

Mag die Firma Ferenczy eines Tages auch zusammenbrechen, mit diesem Spruch wird ihr Begründer unsterblich bleiben. (Er lebt ja noch, 90 Jahre ist er inzwischen alt.)



[1] Da gibt es im übrigen auch eine Szene, in der - gut 15 Jahre vor der Erfindung des Rock'n Roll ein Rock'n Roll hingelegt wird, demgegenüber der echte Rock'n Roll eine matte Sache ist. Gut, das hieß damals nicht so, das war vermutlich ein Jitterbug, aber... Anklicken und anschauen.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Kriechdienst

Hömma, du Verfassungsfeind! Das Ding heißt nicht "Kriechdienst", sondern "Wehrdienst". Wir verstehen uns, ja?

Currywurst

Die Currywurst galt lange Zeit als eine Erscheinung aus dem Nachkriegsdeutschland. Hamburg und Berlin streiten sich um die Ehre, Heimat der Currywurst zu sein. Kenner mittelalterlicher Literatur aber haben vor Jahren schon darauf hingewiesen und damit die Fachwelt verblüfft, daß es die Currywurst bereits im Mittelalter gegeben habe. Im "Tristan" von Gottfried von Straßburg werde sie bereits erwähnt und heiße dort "kurrivurs".

Nun aber hat ein Team von Germanisten, Historikern und Lebensmittelchemikern an der Universität Radschapur vor kurzem herausgefunden, daß "vurs" eine damals weitverbreitete, inzwischen gottlob vergessene Gemüsesorte gewesen sei, "kurri" soviel bedeutet habe wie "zum Kotzen schlecht".

Als ich diese neue wissenschaftliche Erkenntnis im Usenet (de.etc.sprache.deutsch) vorstellte, meinte einer: "Der Wortstamm ist interessant. Leitet sich davon auch das Curriculum ab?"
"Ja", antwortete ich ihm, "und zwar direkt. Wennst du zuviel kurri ißt, kriegst du Durchfall, dann mußt du laufen (lat. currere oder was), auf daß dein Ars (lat. culum oder wie) sich entleeren kann. So lernst du leidend vurs mit masze zu mampfen.

Freitag, 2. Oktober 2009

Ein Fallbeil als Sympathieträger

Die Firma Dingsbumslamdei (Name geändert) hat derzeit auf verschiedenen Websites Anzeigen geschaltet, in denen sie für ihre Dienstleistungen wirbt. Die Dienstleistung besteht darin, Spitzenkräfte in neue Jobs zu vermitteln, bzw. Kontakte zu Vermittlern zu vermitteln.
So weit, so unauffällig.
Optischer Blickfang dieser Anzeige aber ist das Antlitz des nebenstehend abgebildeten Herrn.
Mir ist nicht ganz klar, ob dieser Sympathieträger die um­wor­be­ne, d. h. zu vermittelnde Spitzenkraft darstellen soll oder den hilfreichen Headhunter, vermute aber letzteres.

Egal.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen ergeht beim Betrachten des Bildes, mir jagt es eiskalte Schauer den Rücken herab. Es ist das Gesicht eines menschlichen Haifisches mit dem Charme eines frisch geschliffenen Fallbeiles. Als Edmund Stoiber noch CSU-Generalsekretär unter F. J. Strauß war, hat ihn ein Kabarettist mal das "blonde Fallbeil" genannt. Ich habe damals gelacht, womöglich hat der junge Stoiber damals bei mir tatsächlich diesen Eindruck hinterlassen, der altgewordene Stoiber tut es nicht mehr.

Dieser Herr aber... Die Mundwinkel sind zu einem schwachen Lächeln nach oben gezogen, die Augen versuchen, mitzuhalten. Aber es ist das eiskalte Lächeln eines schneidigen Staatsanwalts, der alles beieinander hat, auf Tod durch Erhängen zu plädieren. Ein Lächeln, das dich durch deine Alpträume verfolgt. So jemandem möchtest du nicht in einem Gerichtssaal begegnen oder sonst an einem Ort, an dem du wehrlos bist.

Nun frage ich mich, ob es sich hier um ein professionelles Model handelt, einen herzensguten Schauspieler vielleicht, dem man gesagt hat: "Hömma, Erwin, schau mal gaaanz, gaaaaanz entschlossen" und dem es wohlgelungen ist, der Regieanweisung zu folgen. Oder ist der Typ echt? Ist er tatsächlich einer der Headhunter?

Wie immer: Wie muß ein Mensch drauf sein, der seine berufliche Zukunft diesem Gesicht anvertrauen möchte? Und was geht in den Hirnen von Anzeigengestaltern vor, die überzeugt davon sind, daß dieses Gesicht ihre Kundschaft ansprechen wird? Und was ist los mit einer Gesellschaft, in der diese Anzeigengestalter womöglich recht haben?